OPACC CAMPUS, ROTHENBURG



WETTBEWERB 2015
1. Rang

 

Ausschreibung Wettbewerb: OPACC Holding AG, Kriens
Wettbewerb/Studienauftrag: 2015
Raumprogramm: Neuer Frimensitz
Platzierung: 1. Rang
Geschossfläche: 9'300 m2
Bauvolumen: 39'335 m3
Investitionskosten: ca. CHF 21 Mio
Ausführung geplant: 2016-2018



Projektteam Wettbewerb:
Justin Rüssli
Petr Vycpalek
Natalie Fedtke
Andreas Hamerich

SITUATION
Das Grundstück zwischen Bahnhof und Autobahn erforderte ein klares und durchdachtes Konzept mit einer optimalen Situationslösung. Die Grundlage des Studienauftrages waren der Bebauungsplan und die Realisierung in Etappen.

Unser Konzept sieht gegen Süden eine Öffnung der Blockrand-bebauung vor. Das Gebäude richtet sich zum Bergpanorama, dem Bach und der Öffentlichkeit am Bahnhof. So erhält das Baufeld einen attraktiven, geschützten Aussenbereich - abgeschirmt vom Lärm der Autobahn. Der Bereich ist nutzbar für die Mitarbeiter in Pausen und Sitzungen. Er bildet gleichzeitig einen repräsentativen Eingangsbereich und Innenhof vor dem Gebäude. Nicht die Distanz zur Autobahn soll den Lärmschutz herstellen, sondern die Position des Gebäudes mit dem vorgelagerten und besonnten Aussenbereich. Einen Standpunkt, der die Jury vom Projekt überzeugte.

 

Die beiden Gebäudeflügel der ersten Etappe sind so geplant, dass sie eigenständig abgeschlossen funktionieren. Weitere Etappen können später an die bestehende Infrastruktur anknüpfen. Die geplante Gebäudeordnung reduziert das Konfliktpotenzial für eine weitere Etappe. Die Fläche für eine zweite Etappe steht im Vorfeld als Aussenparkplatzes zur Verfügung und nimmt in seiner Form Bezug auf die zukünftige Situation.

GEBÄUDE
Der Bürokomplex ist als Winkel geplant – abschirmend und platzbildend zugleich. Das Bauvolumen fällt gegen Süden ab und ermöglicht eine effiziente Nutzung von Energie. Die grossflächige Aussenfassade gegenüber der Autobahn wird als optische Werbefläche für OPACC genutzt. Das Firmenlogo erscheint grafisch umgesetzt in der einheitlichen Fensterfront als Kontrast mit Pixelgrafik. OPACC wird für alle Autofahrer auf der Autobahn A2 ersichtlich sein und repräsentiert das innovative IT-Unternehmen.
Die bepflanzten Veranden ermöglichen den Aufenthalt an der frischen Luft, lärmabgewandt und mit viel Licht und Grün. Sie bilden eine Arkade, welche den Eingangsbereich schützt und die Besucher und Mitarbeiter empfängt.

 

FUNKTIONEN
Der differenziert gestaltete Aussenbereich empfängt den Besucher und Mitarbeiter in einer zweigeschossigen Eingangshalle. Nebst dem Empfang befinden sich alle öffentlichen Räume wie Empfang, Restaurant und Schulungs- wie Demoräume. Die Aufenthaltsräume orientieren sich um den begrünten Innenhof, der die Besucher wie die Mitarbeiter zur Erholung oder zum Verweilen einlädt.
Die vorgelagerten Veranden zum Hof sind Aufenthaltsorte wie auch Schattenspender für die dahinterliegenden Büroräume in den Obergeschossen. Die Büroräume sind gegen Osten und Norden ausgerichtet und minimieren die Sonneneinstrahlung der Bildschirmarbeitsplätze ohne Verlust der natürlichen Belichtung. Bewegliche Trennelemente lassen verschiedene räumliche Lesearten zu. Die Arbeitsplätze können flexibel angeordnet werden. Es sind Bürogruppen bis zu acht Mitarbeiter möglich. Die Kommunikationszonen sind Richtung Innenhof ausgerichtet und bilden mit Sitzungszimmern, Cafe-Bars und Wintergärten übergreifende Räume, die sich auf die Geschosse verteilen.

Die Haustechnik und Serverräume befinden sich im Dachgeschoss. Die Abwärme der Server wird zum Heizen genutzt. Die Lüftung wird dezentral über die Hoffassade eingeführt und über das Dach abgeführt. So benötigt die Haustechnik wenig Platz und ist unabhängig von einem weiteren Etappenbau.

INNENHOF
äudes bildet einen Innenhof, der mit verschiedenen Weg- und Platzzonen mit Kies, Gras und grosszügiger Bepflanzung überzeugt. Die bestehende Vegetation entlang des Baches wird berücksichtigt und integriert. Durch die durchgängige Glasfassade wird der grüne Aussenbereich im Gebäudeinnern erlebbar und bildet einen erholsamen Kontrast zur sterilen Computerbranche. Einzelne Sitzgelegenheiten ermöglichen entspannte Begegnungen. Die vorgelagerte Fläche beim Restaurant lässt eine gemütliche Aussenbestuhlung zu.

ETAPPEN
Das Konzept sieht zwei Bauetappen vor. Der ersten Etappe wird mehr Bedeutung zugesprochen und es ist eine Pufferzone für zusätzliche Büroflächen geplant. Diese muss nicht von Anfang ausgebaut werden. Der Entwurf lässt unterschiedliche Erweiterungsbauten zu. Die Parkierungsfläche der ersten Etappe bildet den Fussabdruck der zweiten Etappe. Egal ob diese je verwirklicht wird, die erste Etappe ist in sich abgeschlossen.

KONSTRUKTION
Die Ausführung erfolgt mit Monobeton mit den Einlagen der nötigen Technik für Heizung und Kühlung. Die Skelettbauweise ermöglicht eine maximale Flexibilität der Raumaufteilung. Tragende Trennelemente passen sich den Bedürfnissen der Nutzer an. Die Photovoltaikanlage von 1500 m2 dient als Vordach und Schutz der Dachfläche. Eine Dachbegrünung erübrigt sich somit. Drehbare Paneelen zwischen den Arbeits- und Kommunikationszonen ermöglichen eine individuelle Anpassung der Öffnung und somit der Privatsphäre. Die flexible Gestaltung der Innenräume schafft eine angenehme Arbeitsatmosphäre. Für den Boden ist geschliffener Beton angedacht im Kontrast zur Holzdecke, die in ihrer Funktion die Lüftung, Beleuchtung und den Schallschutz übernimmt

Die Jury hat die auf den ersten Blick unerwartete und verblüffende Situationslösung überzeugt. Sie haben das Projekt als sehr schlau und tragfähiges Konzept mit dem 1. Rang prämiert.